Das Erbe der Runen
 
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Leseprobe:
»Die Schattenweberin«
Monika Felten

„Seht nur! Da hinten!“ Bei Anbruch des zweiten Morgens, der auf den Sandsturm folgte, zügelte Abbas sein Pferd auf dem Kamm einer Sanddüne und deutete nach Norden. „Andaurien!“ Erleichterung spiegelte sich in seinem Blick als er sich zu Ajana umwandte, die einige Längen hinter ihm ritt.

„Wir haben es geschafft!“

„Was siehst du?“ Ajana parierte ihre Schimmelstute neben Abbas und reckte sich im Sattel, um besser sehen zu können. „Ich kann nichts erkennen.“

„Da ist eine dunkle Linie am Horizont. Bäume, Sträucher, eine flache Hügelkette ... irgendetwas. Aber ganz sicher: Das Ende der Wüste.“

„Vielleicht ist es nur eine Luftspiegelung.“ Ajana blieb skeptisch. Zu lange waren sie schon geritten, zu sehr hatte der Ritt an ihren Kräften gezehrt und zu sehr sehnten sie das Ende des Ritts herbei. Es war gut möglich, dass die Phantasie Abbas etwas vorgaukelte. „Lass uns noch ein Stück weiterreiten“, schlug sie vor. „Vielleicht kann ich dann auch etwas erkennen.“

„Ihr werdet sehen, dass ich recht habe“, beharrte Abbas fast trotzig, schnalzte mit der Zunge und ritt, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, in die flache Senke hinab.

Ajana zögerte ihm zu folgen. In der Hoffnung, doch noch eine Bestätigung für Abbas Beobachtung zu finden, spähte sie weiter angestrengt nach Norden.

 

Ein schrilles, angsterfülltes Wiehern , ließ sie herumwirbeln.

Abbas?

Ihr Blick irrte umher, aber der Wunand war nirgends zu sehen.

Dann entdeckte sie ihn. Die Gewänder von Staub und Sand bedeckt, hockte er am Fuß der Senke. Von seinem Pferd fehlte jede Spur.

„Abbas?“ Besorgt lenkte Ajana ihre Stute den Hang hinab. „Wo ist dein Pferd?“

„Bleib zurück!“ Abbas Stimme bebte. Sein Gesicht hatte alle Farbe verloren. „Komm nicht herunter!“, warnte er. „Hier unten ist alles voller Treibsand.“

„Treibsand?“ Eschrocken parierte Ajana ihre Stute. „Wo?“, fragte sie.

„Überall!“ Abbas deutete auf den Boden der Senke. „Ich ... ich dummer Esel, habe mein Pferd mitten hinein gelenkt. Als ich es bemerkte, war es zu spät. Ich konnte gerade noch abspringen.“ Abbas brach ab und fuhr sich mit den Händen über das Gesicht. „Ich ... ich konnte nichts tun“, stammelte er noch immer erschüttert von dem, was geschehen war. „Ich konnte es nicht halten. Es ... es versank binnen weniger Augenblicke.“

„So schnell?“ Ajana konnte nicht glauben, was sie da hörte. Abbas hatte doch eben noch neben ihr gestanden. Wie war das möglich? Sie hatte doch nur für ein paar Sekunden nicht hingeschaut. Ajana schwang sich aus dem Sattel und führte ihre Stute am Zügel zurück auf den Kamm der Düne. Dann ging sie wieder zu Abbas, legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter und sagte: „Mach dir keine Vorwürfe. Wir hätten beide tot sein können. Ich bin froh, dass dir nichts passiert ist.“

„Ich hätte es wissen müssen!“ Abbas starrte geistesabwesend auf die Treibsandfläche. „Ich hätte es wissen müssen.“

„Unsinn!“ Ajana fasste Abbas an der Schulter und zwang ihn, sie anzusehen. „Niemand konnte das wissen“, sagte sie bestimmt. „Weiter im Westen, auf dem Weg zu den Orma-Hereth, gibt es einige Treibsandfelder, ja. Aber hier doch nicht. Wie hätten wir also wissen sollen ...?“

„Der Sandsturm“, fiel Abbas ihr ins Wort. „Bei einem Sandsturm können sich Mulden mit lockerem Flugsand füllen. Es sieht aus wie fester Untergrund, aber es ist eine tödliche Falle. Wer dort hinein gerät, ist rettungslos verloren.“ Er schüttelte den Kopf, wandte sich wieder der Treibsandfläche zu und murmelte: „Ich hätte es wissen müssen.“

„Vorwürfe bringen uns jetzt auch nicht weiter!“ Ajana fasste Abbas am Arm und stand auf. „Dein Pferd ist verloren. Ich bin auch traurig, aber es lässt sich nicht ändern. Wir müssen jetzt an uns denken.“ Sie hob die Hand und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Komm mit“, forderte sie Abbas auf. „Hier kannst du nichts mehr tun. Wir müssen uns einen schattigen Platz zum Ausruhen suchen, sonst werden wir hier geröstet.“

„Besser ein schnelles Ende, als elendig verdursten.“ Bitternis und Resignation schwangen in Abbas` Worten mit.

„Was soll das heißen?“, fuhr Ajana ihn an. „Willst du etwa aufgeben? So kurz vor dem Ziel?“

„Wir haben nicht nur ein Pferd, sondern auch die Hälfte unserer Wasservorräte verloren.“ Abbas drehte sich um und schaute Ajana an. „Wisst Ihr was das bedeutet?“

„Das bedeutet, dass wir von nun an abwechselnd reiten und mit dem Wasser noch sparsamer sein werden.“ Ajana gab sich kämpferisch. „Wir reiten weiter, hörst du? Wir geben nicht auf. Nicht, nachdem wir so lange durch die Wüste geritten sind und schon gar nicht so dicht vor dem Ziel. Wir sind noch nicht tot und wir werden es so schnell auch nicht sein. Du hast recht, wir haben Wasser verloren, aber wir haben auch einen Durstigen weniger zu versorgen. Also komm jetzt mit und mach dir keine Vorwürfe mehr. Wir sind so weit gekommen und werden auch den Rest des Wegs noch schaffen.“

Abbas erwiderte nichts. Schweigend maß er Ajana mit einem langen, schwer zu deuteten Blick. Eine Weile sah es so aus, als wollte er ihrer Aufforderung nicht Folge leisten. Doch dann stand er auf. Gemeinsam kletterten sie die Düne hinauf und hielten Ausschau nach einem geeigneten Lagerplatz, ehe sich auf den Weg machten, um den heißen Tag im Schatten zu verbringen.

»Die Schattenweberin«

Monika Felten

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Leseprobe


Der Schrei des Falken

»Die Schattenweberin«

Der dritte und abschließendeTeil der Saga zu DAS ERBE DER RUNEN von Monika Felten


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